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Zählzeitdefinitionen und Konfigurations-ID

Das MaKo-Objekt, das festlegt, welche Viertelstunde in welches Zählregister fällt – die Grundlage für zeitvariable Netzentgelte und zeitvariable Tarife auf einem intelligenten Messsystem.

VertiefungStand: August 2026

Ein HT/NT-Zähler wusste früher selbst, wann Nacht ist: Eine Schaltuhr oder ein Rundsteuerempfänger schaltete das Register um, und der Netzbetreiber hatte die Zeiten irgendwo in einem PDF stehen. Mit zeitvariablen Netzentgelten und dynamischen Tarifen reicht das nicht mehr. Die Zeitfenster müssen als Daten zwischen den Marktpartnern ausgetauscht werden – das ist die Zählzeitdefinition.

Was eine Zählzeitdefinition ist#

Eine Zählzeitdefinition ordnet jedem Zeitpunkt eines Kalenders genau ein Zählzeitregister zu. Sie besteht aus einer eindeutigen Kennung, einem Gültigkeitszeitraum und einer Menge von Zeitfenstern, die zusammen jede Viertelstunde des Jahres abdecken – lückenlos und überschneidungsfrei. Aus dem Zählerstandsgang eines iMSys lässt sich damit der Verbrauch je Register bilden: Jede Viertelstunde wird nach ihrem Zeitstempel einem Register zugeordnet und dort aufsummiert.

Zählzeitregister
Das Ziel der Zuordnung – zum Beispiel „Hochlast“, „Standard“, „Niedriglast“ oder klassisch HT und NT. Fachlich entspricht es dem Zählwerk eines Mehrtarifzählers, existiert aber als Rechenregister, nicht zwingend als Hardware.
Zeitfenster
Ein Zeitraum innerhalb eines Tagestyps – etwa werktags 17:00 bis 20:00 Uhr –, der einem Register zugewiesen ist. Tagestypen unterscheiden Werktag, Samstag, Sonntag und Feiertag.
Konfigurations-ID
Die Kennung des konkreten Bündels aus Zählzeitdefinition, Registern und Zuordnungen, das an einer Marktlokation gilt. Ändert sich das Bündel, entsteht eine neue ID – so bleibt eindeutig, nach welcher Konfiguration ein Wert gebildet wurde.

Wer definiert – und wofür#

Definiert durchZweckBeispiel
NetzbetreiberZeitvariable Netzentgelte, insbesondere Modul 3 nach § 14a EnWGDrei Zeitfenster je Netzgebiet mit Hoch-, Standard- und Niedriglastpreis
LieferantZeitvariabler Tarif gegenüber dem KundenZwei Register für einen HT/NT-Tarif oder mehrere Stufen für einen Zeitzonentarif
Beide können an derselben Marktlokation nebeneinander gelten: Das Netzentgelt folgt der Definition des Netzbetreibers, der Arbeitspreis der des Lieferanten.

Von der Viertelstunde zum Register#

  1. 1

    Zeitreihe beschaffen

    Der Zählerstandsgang (TAF 7) liefert alle 15 Minuten einen Zählerstand; die Differenzen sind die Viertelstundenverbräuche. Alternativ bildet das Gateway die Registerwerte selbst (TAF 2), wenn ihm die Zählzeitdefinition über den Gateway-Administrator eingespielt wurde.

  2. 2

    Tagestyp bestimmen

    Für jeden Kalendertag: Werktag, Samstag, Sonntag oder Feiertag – nach dem Feiertagskalender, den die Definition vorgibt.

  3. 3

    Zeitfenster zuordnen

    Jede Viertelstunde wird anhand von Tagestyp und Uhrzeit dem passenden Zeitfenster und damit einem Register zugewiesen.

  4. 4

    Aggregieren

    Die Verbräuche je Register werden über den Abrechnungszeitraum summiert und wie Zählwerksverbräuche abgerechnet – mit dem Preis des jeweiligen Registers.

Drei Register an einem Werktag (vereinfacht)

Hochlast 17:00–20:00, 12 Viertelstunden à 0,75 kWh
9 kWh
Niedriglast 00:00–06:00, 24 Viertelstunden à 0,25 kWh
6 kWh
Standard, übrige 60 Viertelstunden à 0,30 kWh
18 kWh
Tagesverbrauch, Summe aller Register33 kWh

Kalender, Feiertage, Zeitumstellung#

Die Zuordnung hängt an drei Dingen, die jedes für sich harmlos wirken und zusammen die meisten Fehler produzieren.

Feiertage
Sind in Deutschland Ländersache. Fronleichnam ist in Bayern ein Feiertag, in Hamburg nicht. Der Netzbetreiber legt fest, welcher Feiertagskalender für sein Netzgebiet gilt – und ob ein Feiertag wie ein Sonntag behandelt wird.
Sommer-/Winterzeit
Der Tag der Umstellung auf Sommerzeit hat 23 Stunden (92 Viertelstunden), der Tag der Rückstellung 25 Stunden (100 Viertelstunden). Im Oktober gibt es die Viertelstunden zwischen 02:00 und 03:00 Uhr Lokalzeit zweimal.
Zeitzone der Messwerte
Gateways und Marktkommunikation arbeiten mit UTC. Ein Zeitfenster „17:00 bis 20:00“ ist aber Lokalzeit. Die Umrechnung muss je Kalendertag erfolgen, nicht mit einem festen Offset.

Verhältnis zu HT/NT und § 14a Modul 3#

Ein klassischer Doppeltarifzähler ist der Sonderfall einer Zählzeitdefinition mit zwei Registern, festen Schaltzeiten und einer Umsetzung in Hardware. Die Zählzeitdefinition verallgemeinert das: beliebig viele Register, tagestypabhängige Fenster, jährliche Änderbarkeit, Umsetzung als Rechenregel auf Viertelstundenwerten. Für § 14a Modul 3 ist genau das die technische Voraussetzung – der Netzbetreiber definiert mindestens drei Zeitfenster mit unterschiedlichen Arbeitspreisen im Netzentgelt, und ohne iMSys und Zählzeitdefinition lässt sich das nicht abrechnen.

Was eine Abrechnungsengine braucht#

  • Einen Zeitzonenkalender mit Feiertagen je Bundesland beziehungsweise je Netzgebiet, inklusive der Regeln für Zeitumstellungstage
  • Zählzeitdefinitionen als versionierte Stammdaten mit Gültigkeitszeitraum – die Definition für 2026 darf die für 2025 nicht überschreiben, weil Korrekturrechnungen die alte noch brauchen
  • Die Konfigurations-ID an jedem daraus gebildeten Registerwert, damit nachvollziehbar bleibt, nach welcher Regel er entstand
  • Zwei parallele Zuordnungen je Marktlokation: eine für das Netzentgelt (Definition des Netzbetreibers), eine für den Tarif (Definition des Lieferanten)
  • Eine Kontrollsummenprüfung gegen den Gesamtverbrauch und eine Fehlerbehandlung für Viertelstunden ohne Zuordnung
  • Den Fallback auf die Zählwerke eines Mehrtarifzählers, wenn kein iMSys verbaut ist – dort liefert der Zähler die Registerstände, und die Zählzeitdefinition dient nur zur Dokumentation der Schaltzeiten

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