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Wie der deutsche Energiemarkt funktioniert

Seit der Liberalisierung sind Netz, Messung und Lieferung getrennte Geschäfte – wer Software für Versorger baut, muss vor allem diese Trennung verstehen.

GrundlagenStand: August 2026

Bis 1998 war alles einfach: Das örtliche Stadtwerk erzeugte den Strom, betrieb das Netz, las den Zähler ab und schickte die Rechnung. Heute sind das vier verschiedene Rollen – oft in vier verschiedenen Unternehmen, manchmal aber auch in vier Abteilungen desselben Stadtwerks, die sich aus Rechtsgründen wie Fremde behandeln müssen.

Diese Trennung ist der Grund, warum Energieprozesse so viel Datenaustausch brauchen. Ein Lieferant, der einen Kunden beliefern will, besitzt weder Leitung noch Zähler. Er muss beim Netzbetreiber anmelden, vom Messstellenbetreiber Messwerte bekommen und seine Energiemenge in einem Bilanzkreis führen. Jeder dieser Schritte ist ein standardisierter Nachrichtenaustausch.

Der physische Weg der Energie#

Von der Erzeugung bis zur Steckdose

Physischer Weg der Energie

  1. ErzeugungKraftwerk, Windpark, PV-Anlage
  2. Übertragungsnetz4 Übertragungsnetzbetreiber
  3. Verteilnetzrund 850 Verteilnetzbetreiber
  4. MessstelleMessstellenbetreiber
  5. KundeLetztverbraucher

Der Lieferant taucht in dieser Kette physisch gar nicht auf: Er kauft die Energiemenge ein, bilanziert sie und rechnet sie mit dem Kunden ab. Transportiert wird sie von Netzbetreibern, gemessen vom Messstellenbetreiber.

Physisch ist der Weg simpel: Erzeugung, Transport über das Übertragungsnetz, Feinverteilung im Verteilnetz, Messung an der Übergabestelle, Verbrauch. Die Energie eines bestimmten Lieferanten lässt sich dabei nicht verfolgen – Strom ist ein Gemeinschaftsgut im Netz. Wer welche Menge geliefert hat, ist eine rein rechnerische Frage.

Die Marktrollen#

Wer ist wer im Energiemarkt

Marktrollen und ihre Aufgaben

  • LFLieferantVerkauft Energie an den Letztverbraucher, beschafft die Mengen, stellt die Rechnung.
  • VNBVerteilnetzbetreiberBetreibt das örtliche Netz, erhebt Netzentgelte, schaltet an und ab.
  • ÜNBÜbertragungsnetzbetreiberHöchstspannung, Systembilanz, Regelenergie – 50Hertz, Amprion, TenneT, TransnetBW.
  • MSBMessstellenbetreiberBaut Zähler ein, betreibt und liest sie aus, liefert Messwerte an alle Berechtigten.
  • BKVBilanzkreisverantwortlicherFührt den Bilanzkreis, meldet Fahrpläne, trägt Abweichungen zwischen Prognose und Ist.
  • GVGrundversorgerDer Lieferant mit den meisten Haushaltskunden im Netzgebiet – gesetzlich zur Belieferung verpflichtet.

Ein Unternehmen kann mehrere Rollen ausfüllen – ein Stadtwerk ist oft gleichzeitig Lieferant, Verteilnetzbetreiber, grundzuständiger Messstellenbetreiber und Grundversorger. Rechtlich müssen die Bereiche getrennt sein (Entflechtung, „Unbundling“).

Vertiefung: Marktrollen und ihre Codenummern. Wichtig ist vor allem das Verhältnis zwischen Lieferant, Netzbetreiber und Messstellenbetreiber. Der Kunde hat in der Regel nur mit dem Lieferanten einen Vertrag – die Leistungen der anderen beiden werden über den Lieferanten mit abgerechnet („All-inclusive-Modell“).

Drei Verträge, eine Rechnung#

Energieliefervertrag
Zwischen Kunde und Lieferant. Regelt Preis, Laufzeit, Kündigungsfrist und Abschläge.
Lieferantenrahmenvertrag
Zwischen Lieferant und Netzbetreiber (§ 20 Abs. 1a EnWG) – regelt die Netznutzung pauschal für alle Kunden des Lieferanten in diesem Netzgebiet. Der Kunde zahlt die Netzentgelte, sieht den Vertrag aber nie.
Messstellenvertrag
Zwischen Anschlussnutzer und Messstellenbetreiber – standardmäßig der grundzuständige MSB, der Kunde kann aber wechseln.

Vier Sparten, vier Eigenheiten#

SparteEinheit am ZählerEinheit auf der RechnungMarkt
StromkWhkWhbundesweit liberalisiert
Erdgasm³kWhbundesweit liberalisiert
Wasserm³m³örtliches Monopol
FernwärmeMWh oder GJkWhleitungsgebundenes Monopol

Wo Software in diesem Bild sitzt#

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