Lokationsmodell der Marktkommunikation
Marktlokation, Messlokation, Netzlokation, Technische und Steuerbare Ressource: fünf Objekte, die zusammen beschreiben, wo Energie gehandelt, gemessen, ins Netz übergeben, erzeugt und gesteuert wird.
Ein Haus mit Photovoltaik, Batteriespeicher und Wärmepumpe ist für den Kunden ein Anschluss mit einer Rechnung. Für die Marktkommunikation sind es ein halbes Dutzend Objekte mit eigenen IDs, eigenen Zuständigen und eigenen Lebenszyklen. Das Lokationsmodell legt fest, welche das sind – und wer welche davon verwalten darf.
Der Grund für die Zerlegung ist immer derselbe: Jede Frage soll genau ein Objekt beantworten. „Wer beliefert hier?“ ist eine andere Frage als „Welches Gerät misst?“, und beide sind etwas anderes als „Was darf der Netzbetreiber hier abregeln?“. Solange alles an einem Zählpunkt hing, ließ sich ein Zählerwechsel nicht von einem Lieferantenwechsel trennen und eine PV-Anlage hinter dem Hauszähler nicht sauber bilanzieren.
Die fünf Objekte#
| Objekt | Kürzel | ID | Beantwortet | Vergibt |
|---|---|---|---|---|
| Marktlokation | MaLo | 11 Ziffern, numerisch mit Prüfziffer | Wo wird Energie geliefert oder erzeugt? Hängt an Vertrag, Bilanzkreis, Abrechnung | Netzbetreiber |
| Messlokation | MeLo | 33 Zeichen, beginnend mit DE | Wo wird gemessen? Hängt am Zählerplatz, nicht am Gerät | Netzbetreiber; verwaltet vom Messstellenbetreiber |
| Netzlokation | NeLo | 11 Zeichen, alphanumerisch | Wo wird die Energie physisch an das Netz übergeben – der Punkt, an dem netzentgeltrelevante Größen wie die Leistung anfallen | Netzbetreiber |
| Technische Ressource | TR | 11 Zeichen, alphanumerisch | Welches physische Gerät steht dahinter – PV-Anlage, Speicher, Wärmepumpe, Ladepunkt | Netzbetreiber |
| Steuerbare Ressource | SR | 11 Zeichen, alphanumerisch | Was kann der Netzbetreiber nach § 14a EnWG steuern – und über welchen Kanal | Netzbetreiber |
Wie die Objekte zusammenhängen#
- MaLo ↔ MeLo: n:m
- Eine Marktlokation kann von mehreren Messlokationen gemessen werden (Kaskade, Summenzähler), und eine Messlokation kann mehrere Marktlokationen bedienen (Zweirichtungszähler mit Bezugs- und Einspeise-MaLo). Der Zusammenhang wird über Rechenvorschriften beschrieben: Welche Zähler werden addiert, welche subtrahiert.
- MaLo ↔ TR: 1:n
- An einer erzeugenden Marktlokation können mehrere Technische Ressourcen hängen – etwa PV-Module und ein Speicher, die über denselben Einspeisepunkt laufen.
- TR ↔ SR: 1:n
- Ein Gerät kann steuerbar sein oder nicht. Ist es steuerbar, beschreibt die Steuerbare Ressource das Wie: Steuerkanal, Steuerungsart, Vereinbarung nach § 14a.
- NeLo ↔ MaLo: 1:n
- Hinter einem Netzverknüpfungspunkt können mehrere Marktlokationen liegen – die Wärmepumpe mit reduziertem Netzentgelt und der Haushalt am selben Hausanschluss.
Alle Objekte, die an einem Netzanschluss zusammengehören, bilden ein Lokationsbündel. Das Bündel ist keine eigene ID, sondern der Verbund, den der Netzbetreiber in den Stammdaten zusammenhält – und in dem er die Rechenschritte zwischen Mess- und Marktlokationen beschreibt.
Ein Haus, viele Objekte#
Einfamilienhaus mit PV, Speicher und Wärmepumpe (Kaskadenmessung)
- Netzlokation
- 1 NeLo – der Hausanschluss
- Marktlokationen
- 3 MaLo – Haushaltsbezug, Wärmepumpenbezug, PV-Einspeisung
- Messlokationen
- 2 MeLo – Zweirichtungszähler am Hausanschluss, Unterzähler Wärmepumpe
- Technische Ressourcen
- 3 TR – PV-Anlage, Batteriespeicher, Wärmepumpe
- Steuerbare Ressourcen
- 1 SR – die Wärmepumpe nach § 14a EnWG (der Speicher, sofern netzdienlich gesteuert, wäre eine zweite)
Der Wärmepumpenbezug wird als Differenz gemessen: Hauptzähler minus Unterzähler ergibt den Haushaltsverbrauch, der Unterzähler allein den Wärmepumpenverbrauch. Genau diese Rechenvorschrift ist Teil der Stammdaten – ohne sie kann kein Lieferant die Werte des Zweirichtungszählers seiner Marktlokation zuordnen.
Warum das Modell existiert#
- Zählerwechsel ohne Vertragswechsel: Ein neuer Zähler ändert die Zählernummer, nicht die MeLo – und erst recht nicht die MaLo. Vertrag und Bilanzkreis bleiben unberührt.
- Kaskaden und Unterzähler: Ohne getrennte Mess- und Marktlokationen lässt sich eine Wärmepumpe hinter dem Hauszähler nicht mit eigenem Netzentgelt abrechnen.
- Steuerung: § 14a EnWG verlangt, dass der Netzbetreiber weiß, was er steuern darf, ohne den gesamten Anschluss zu dimmen – das leisten TR und SR.
- Einspeisung und Bezug an einem Gerät: Zwei Marktlokationen an einem Zweirichtungszähler können unterschiedliche Lieferanten und Bilanzkreise haben.
Wo es in der MaKo auftaucht#
Die Objekte werden als Stammdaten per UTILMD ausgetauscht. Der Netzbetreiber verantwortet MaLo, NeLo, TR und SR, der Messstellenbetreiber die Daten der Messlokation. Ein Lieferant sieht in der Anmeldebestätigung die Marktlokation samt zugeordneter Messlokationen und Rechenvorschrift; Messwerte kommen per MSCONS je Messlokation und werden erst dann zu Mengen je Marktlokation. Stammdatenänderungen – neuer Zähler, neue Rechenvorschrift, neue Steuerbare Ressource – laufen als eigene UTILMD-Prozesse, ausgelöst vom jeweils Verantwortlichen.